Arten von Barotraumen
rotkreuz_logo_100.jpg....  und deren Erscheinungsformen

1.-Allgemeines

Unter Barotraumen, sprachlich präziser Barotraumata, versteht man Erkrankungen bzw. Verletzungen, die auf Grund von Druckunterschieden zwischen Geweben oder Organen untereinander und/oder dem Außenraum zustande kommen. Obwohl die Caissonkrankheit an sich zu den Barotraumen gehört, haben wir ihr ein eigenes Kapitel gewidmet.
 

Barotraumen des Mittelohrs
Das Mittelohr ist luftgefüllt, darin sind drei Gehörknöchelchen gelagert: der Hammer , der Amboß und der Steigbügel . Es ist über die Eustachische Röhre mit dem Nasenrachenraum verbunden. Zum Außenohr wird es durch das Trommelfell begrenzt, zum Innenohr durch das runde und ovale Fenster. 

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Aufbau des Ohrs

Vor dem Abtauchen herrscht im Mittelohr der Oberflächendruck von 1 bar. Während mit zunehmender Tiefe im übrigen Körper - vor allem in der Lunge und dem Nasenrachenraum - über den Lungenautomaten der jeweilige Umgebungsdruck herrscht, bleibt der Druck im Mittelohr auf dem Niveau des Oberflächendrucks. Es ist daher bereits nach 2 - 3 m Wassertiefe ein Druckausgleich über die Eustachische Röhre herbeizuführen. Dies geschieht durch Zudrücken der Nase und leichtes Luftpressen dagegen. Der erfolgte Druckausgleich dabei ist gut merkbar und sogar hörbar. Sollte ein Druckausgleich, z.B. wegen einer Erkältung oder gar anlagebedingter Verklebungen oder Schwellungen im Bereich der Eustachischen Röhre, nicht möglich sein, ist der Tauchgang abzubrechen. Auf keinem Fall dürfen abschwellende Mittel verwendet werden. Die Wirkung dieser Mittel lässt möglicherweise ein problemloses Abtauchen zu, da aber ihre Wirkung mit der Zeit nachlässt, kann es beim Auftauchen zu schwerwiegenden Problemen kommen.

 

Symptome, Schäden

Ohne diesen alle paar Meter durchzuführenden Druckausgleich kann es zu den folgenden Symptomen bzw. Schäden kommen.
  • starker Schmerz
  • stechender Schmerz, der nach dem Reißen des Trommelfells plötzlich nachlässt
  • Hörschäden
  • Blutungen aus dem Ohr
  • Mittelohrentzündungen
  • Drehschwindel
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Orientierungsverlust
  • im Extremfall - beim so genannten Labyrinthschock - Bewusstlosigkeit

Therapie

An sich ist der Schmerz auf den Ohren ohne Druckausgleich bereits so stark, dass die Person normalerweise gar nicht tiefer taucht und daher Folgeschäden an sich selten sind. Die Therapie dennoch eingetretener Schäden besteht in der Hauptsache darin:
  • auf keinen Fall mehr ins Wasser zu gehen
  • das Ohr trocken zu halten
  • so schnell wie möglich einen HNO-Facharzt aufsuchen

Prophylaxe

  • Bereits an der Oberfläche vor jedem Tauchgang durch Pressen gegen die zugehaltene Nase die Durchgängigkeit der Eustachischen Röhre testen
  • Keine Tauchgänge bei Schleimhautschwellungen im HNO-Bereich, z.B. bei Erkältungskrankheiten, durchführen
  • Keine schleimhautabschwellenden Mittel nehmen
  • Auf keinen Fall, trotz - auch leichter - Ohrenschmerzen tiefer tauchen.
  • Sollten auch wiederholte Versuche zu keinem Druckausgleich führen den Tauchgang abbrechen

2.- Barotrauma des Innenohrs

Das Innenohr besteht aus einem mit Flüssigkeit gefüllten Leitungssystem, das gegliedert ist in die in drei Ebenen stehenden Bogengänge des Gleichgewichtsorgans sowie die Gehörschnecke mit ihren empfindlichen Haarzellen und Nerven. Eine Schädigung des Innenohrs hat daher besonders starke Folgen für Gleichgewicht und Hörvermögen. Obwohl sich im Innenohr keine Luft befindet, kann es über eine starke Druckwelle, z.B. beim Platzen des Trommelfells, über das ovale oder runde Fenster, den Verbindungen zum Mittelohr, zu Schädigungen verschiedener Stärke kommen, bis hin zum Auslaufen der Innenohrflüssigkeit.

Symptome, Schäden

Die folgenden Symptome bzw. Schäden können auftreten:
  • Schwindel, Drehschwindel, Kopfschmerzen
  • Brechreiz, Übelkeit
  • Ohrgeräusche, Tinnitus
  • Blutungen
  • Hörverlust bis hin zur Taubheit
  • Orientierungsverlust

Therapie

Innenohrtraumen bedürfen einer schnellstmöglichen Diagnose und entsprechender Therapie durch einen Facharzt. Vorher ist Bettruhe mit Hochlagerung des Kopfes und, bei starken Beschwerden, möglicherweise eine Einweisung mit dem Notarztwagen in ein Krankenhaus erforderlich.

Prophylaxe

Beim Auftreten der oben genannten Symptome sofortiger Abbruch des Tauchgangs. Häufiger Druckausgleich des Mittelohrs beim Tauchen. Den Druckausgleich nicht zu heftig oder gar "gewaltsam" herbeiführen.

 

3.- Barotraumen der Nasennebenhöhlen

In den Nasennebenhöhlen, also der Stirnhöhle, den Kieferhöhlen, den Siebbeinzellen oder der Keilbeinhöhle befindet sich Luft, die über Öffnungen mit dem Nasenrachenraum in Verbindung stehen. Ein Druckausgleich findet daher entweder von selbst oder beim Druckausgleich für das Mittelohr statt. Bei entzündlichen Prozessen, wie Erkältungskrankheiten, können die meist relativ kurzen und dicken Verbindungswege durch eine Schwellung der Schleimhäute schlecht durchlässig oder fast völlig undurchlässig werden. Auch gutartige Tumore, wie Polypen, können einen Druckausgleich verhindern bzw. erschweren. In diesen Fällen ist von einem Tauchgang abzusehen.

Nasennebenhöhlen ohne Keilbeinhöhle

Es sei erwähnt, dass die Stirnhöhle etwa 3 bis 4 mal so häufig von Barotraumen befallen wird wie z.B. die Kieferhöhlen. Meist treten die Druckausgleichprobleme nach dem Auftauchen auf, so dass es für den Taucher keine Möglichkeit einer direkten Prophylaxe, wie z.B. einen Abbruch des Tauchgangs, gibt. Die Schmerzen können besonders im Bereich der Stirnhöhle ganz erheblich sein. Sie klingen aber meist nach einigen Stunden wieder ab ohne irgendwelche Folgeschäden zu hinterlassen. Abschwellende Medikamente, eventuell auch Schmerzmittel können als Therapie nach dem Tauchgang - nicht vorher - empfohlen werden. Bei Häufung der Beschwerden oder bei zu langer Schmerzdauer ist ein Facharzt aufzusuchen.

 

4.- Barotraumen der Zähne

Es gibt kaum einen erwachsenen Mensch, der nicht über eine oder mehrere Zahnfüllungen verfügt. Unterhalb derartiger Füllungen kann es schlecht belüftete Hohlräume geben. Auf diese Weise kann der Zahn - vor allem in größeren Tiefen - implodieren. Aber auch beim Auftauchen kann der Druckausgleich möglicherweise nicht schnell genug erfolgen und der Zahn oder Teile werden regelrecht herausgesprengt. Auch in entzündlichen Teilen der Mundschleimhaut kann es zu luftgefüllten Hohlräumen kommen in denen es nur langsam zu einem Druckausgleich kommt. Die Folge können heftige Zahn- oder Kieferschmerzen sein. Beim Auftreten derartiger Beschwerden ist ein Zahnarzt aufzusuchen. 

5.- Barotrauma des Magens

Im Magen befinden sich Gase, die auf einen äußeren Druckanstieg bzw. Druckabfall entsprechend reagieren. Da die Magenwand außerordentlich elastisch ist, sind Magenwandverletzungen oder gar Risse unwahrscheinlich und selten. Wichtig ist, dass bei Spannungs- oder gar Schmerzgefühl im Magenbereich solange mit dem weiteren Aufstieg gewartet werden sollte, bis die Gase auf natürlichem Weg entwichen sind. Bei stärkeren Blähungen kann es zu Herzbeklemmungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen kommen, da der Magen auf das über dem Zwerchfell liegende Herz drücken kann. Bei zu starken Beschwerden reicht ein Abtauchen in etwas größere Tiefe; danach wieder langsam auftauchen.

 

6.- Barotraumen der AugenWürde man beim Tauchen nur eine Schwimmbrille über den Augen tragen, könnte man unter Wasser scharf sehen. Aber in dem Luftvolumen zwischen den Brillengläsern und dem Auge entstünde ein Unterdruck, der z.B. in 30 m Tiefe bereits 3 bar betragen würde. Es würde zu Blutungen im Augenbereich kommen, außerdem kann der Augapfel aus der Augenhöhle treten und den Sehnerv schädigen. Aus diesem Grund muss eine Taucherbrille die Nase mit einbeziehen, so dass über die Nase ein stetiger Druckausgleich zwischen dem Innenraum der Brille und dem Umgebungsdruck=Lungendruck erfolgen kann. Bei nicht einwandfreiem Druckausgleich kann es trotz Verwendung der Taucherbrille zu Augenblutungen kommen. Derartige Schädigungen heilen jedoch in der Regel ohne Folgeschäden wieder ab. Augenprothesen, die innen hohl sind, wie z.B. Glasaugen, dürfen beim Tauchen auf keinen Fall verwendet werden. Falls möglich, sollte eine Augenprothese vor dem Tauchen herausgenommen werden.

Quelle: www.onmeda.de